BikeRomania
Rumänien per Rad entdecken

Reiseberichte

von Eberhard Schmalzried. Im folgenden eine Kostprobe seiner Siebenbürgen-Reise 2000.
Weitere Reiseberichte von ihm: Maramuresch-Tour 2001 und Ukraine/Bukowina 2001.

Siebenbürgen im Mai 2000 Eberhard Schmalzried aus Leonberg war im April und Mai 2000 zwei Wochen in Siebenbürgen per Rad unterwegs. Sein aktueller Reisebericht ist außerordentlich gut lesenswert und schildert die Erlebnisse einer Radtour sehr realitätsnah. Dies ist auch das Urteil unseres rumänischen Kollegen Radu Mititean vom Club Napoca, dessen Heimat dort beschrieben wird.
Seine Reise führte über Brasov, das Dracula-Schloß, Sigisoara, bis nach Sibiu. Und es hat ihm so gut gefallen, dass er im selben Jahr noch mit uns fuhr und auch dort unsere Tour dokumentierte.
Der komplette Bericht seiner eigenen Tour ist hier downloadbar, seine Dokumentation der BikeRomania-Tour 2000 hier.

Er schickte uns den Bericht mit folgenden Worten:
" Hallo Thomas, anbei der Bericht über meine Reise in Siebenbürgen. Es war wirklich schön, ich habe dort jede Minute genossen und kann jedem das Land für eine Reise empfehlen."

Im Folgenden ein paar Leseproben
Abenteuer Zugfahrt Mein Problem war von Anfang an nicht, wie ich eventuellen Gefahren aus dem Weg gehen soll, sondern wie ich samt Rad überhaupt nach Siebenbürgen komme. Das Reisebüro sagt: Nein, nicht möglich, wir können eine solche Verbindung nicht buchen. Die Bahn sagt: Nein, nicht möglich. Es gibt keinen Zug, der ein Fahrrad nach oder durch Ungarn und Rumänien transportiert........
später: .Keine Macht der Welt, denke ich, bekommt mich wieder aus diesem Zug....

Besuch in Brasov An einer Säule hängt eine Kopie des bekannten Martin Luther Bildnisses von Lukas Cranach. An der gleichen Säule ist neben ein paar Löchern ein Schild angebracht mit der Aufschrift: "Gewehrschüsse durch die goldene Pforte beim Umsturz im Dezember 1989".

 
Erfahrungen Eine Zigeunerfrau bettelt mich um 10.000 Lei an, das ist etwa eine Mark. Sie zeigt mir die Rechnung von einem Arzt oder einem Spital und bedeutet, ihr Kind sei krank. Als ich ihr 20.000 Lei gebe, geht sie weg und schickt mir gleich darauf ihren kleinen Jungen auf den Hals. Ich werde ihn erst mit heftigem Nachdruck wieder los.

 
Begegnungen mit der Vergangenheit An vielen Orten und Plätzen in der Stadt begegnet man der Dezemberrevolution von 1989. Einige Gruppen und Or-ganisationen haben ihr eigenes Denkmal aufgestellt, in dem sie der Gefallenen gedenken, die damals getötet wurden. ...Fast ausschließlich junge Männer im Alter um die zwanzig Jahre sind dort beigesetzt. Immer wieder kommen Leute vorbei, bleiben in Gedanken stehen, schweigen. Sind es Angehörige, die des Vaters, des Sohnes. des Bruders, des Freundes gedenken? Es ist eine eigenartige Empfindung, die von diesen Begegnungen ausgeht. Man spürt die Trauer, aber auch eine Art Genugtuung und Stolz, dass ihr Tod vielleicht doch nicht ganz vergebens war.

 
Horror ;-) Einmal werde ich Zeuge einer Pfählung. Gruselig, wie die Spießgesellen das arme, blutverschmierte, sich verzweifelt wehrende Opfer an Händen und Füßen festhalten, während ihm ein fünfter Scherge mit dem Pfahl drohend vor dem Gesicht herumfuchtelt...... Später schaue ich zum zweiten Mal einer Pfählung zu, diesmal bleibt es nicht bloß bei der Drohung, diesmal schreiten sie zur Tat. ...

 
Radreisen ist einfach besser Als ich mich in Michelsberg mit den Leuten aus Dortmund unterhalten habe, die in ihrem feinen BMW mit Klimaanlage durch Rumänien unterwegs waren, ist mir klar geworden, wie schön das Radfahren ist. "Horch, ein Kuckuck," hatte die Frau gesagt, "wie schön, ihn zu hören." Ich hatte ihn allein an diesem Tag schon ein Dutzend mal rufen hören, ich hatte die Frösche im nahen Teich quaken, die Kinder im Dorf schreien, den Storch klappern hören. Mir waren im Wald tausend Düfte in die Nase gestiegen, ich hatte bergauf geschwitzt und mich bergab wieder abgekühlt, alles Erlebnisse und Eindrücke, die sie entbehren mussten.
 
 
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