BikeRomania
Rumänien per Rad entdecken

Die Donau-Route in Serbien und Rumänien

Thomas Fläschner, ADFC-Aktiver aus dem Saarland, hat mit seinem Freund Martin im August 2001 die Donau-Route erkundet. Von unterwegs sendete er uns aus Internet-Cafes seine Reiseberichte. Beeindruckende Stories. Hier sind sie.

Nicht nur Rumänien Dabei freuen wir uns endlich auch aktuelle Informationen vom serbischen Teil der Donau zu erhalten. Bei seinen Recherchen zu dieser Reise hat Thomas Fläschner wertvolle Kontakte zu serbischen Radfreunden aufgetan, die wir auf weiteren Seiten aufbereitet haben (in englischer Sprache).  
Montag, 30. Juli 2001, 10:21 Hallo,
viele Grüße aus Osijek in Kroatien, kurz hinter der ungarischen Grenze, wo ich mich gerade die Schwierigkeiten einer slawischen Tastatur bewältige. Da sind all die Zeichen drauf, die ich sonst beim Katalogisieren osteuropäischer Literatur so schmerzhaft vermisse: šžæèÐ. Die Reise verläuft bisher gut, wenn auch etwas anders als geplant. Vor allem die Strecken - fahrlässig mit dem ADAC-Autoatlas für Europa in aller Grobheit vorausberechnet - gestalten sich etwas länger. Aber der Wind ist mit uns und schiebt uns gen Süden. Aus 60 - 80 km wurden 80 - 110 km. Von meinen üblichen Anfangsproblemen im Urlaub bin ich bis jetzt weitestgehend verschont geblieben. Eines spontan erworbenen Budapest-Führers bin ich zwar schon eine halbe Stunde später wieder verlustig gegangen, aber da hatte ich das wesentliche eigentlich auch schon gelesen und dann wäre er auch nur noch Ballast gewesen. Budapest ist im übrigen durchaus eine Reise wert.

Der eine Ruhetag war jedenfalls zu wenig, auch wenn wir abends auf dem Rückweg vom Burgberg noch in ein Expo-Projekt gestolpert sind, das wir nie gefunden hätten, wenn wir uns nicht verlaufen hätten, jedenfalls durften wir dort einer orgiastischen Volkstanzaufführung beiwohnen, bei welcher der gesamte jugendliche Saal - in einer restaurierten Fabrikhalle - in Trance verfiel. Sehr schön. Mein Mitfahrer Martin - ganz ok, aber ein gewisser Alters- und Erfahrungsunterschied wirkt sich halt doch auch aus - läßt mich mit seiner Kronkorken-(das sind die Dinger auf den Bierflaschen)-Sammelei noch zum schweren Alkoholiker werden. Schon des Mittags muss ich in brütender Hitze Starkbierflaschen leeren helfen. Der Sprung vom Clausthaler zu diesen Sorten ist zu heftig. Naja, dann vertrage ich wenigstens weiter östlich die Gelage besser ... Richtig spannend wird es heute nachmittag, wenn wir nach Vukovar kommen, das von den Serben im Krieg sehr stark zerstört wurde. Morgen treffen wir dann in Novi Sad Borislav, der uns beim Visum - das wir ja mittlerweile nicht mehr brauchen - geholfen hatte. So, ich mach mal Schluss. Martin wartet.

Viele Grüße, Thomas

 
Donnerstag,
2. August 2001,
18:38
Hallo,
nur ein paar Tage später ein neues Lebenszeichen, aber nun liegt das größte anzunehmende Problem hinter uns, nämlich der Grenzübertritt nach Jugoslawien. 12 DM hat das Visum jetzt an der Grenze noch gekostet. Martin musste vor drei Wochen noch nach der alten Regelung fast 100 DM dafür ausgeben.

Nach Osijek kamen wir nach Vukovar, das direkt an der Donau und damit an der Grenze zu Jugoslawien liegt. Ich wusste, dass die Stadt stark zerstört worden sein soll, aber was wir dann sahen, machte mir schnell klar, dass hier nicht 'einfach' nur ein Krieg über die Stadt hinweggerollt sein konnte, sondern etwas anderes stattgefunden haben musste. Es gab kein Haus mehr, das nicht irgendeine Beschädigung aufwies. Entweder waren die Häuser - schon in den Vororten - neu gebaut, beschädigt oder völlige Ruinen und in der Innenstadt war es dann wirklich schlimm. Wer vor 90 mal in der DDR war, kennt das vielleicht noch. Ganze Straßenzüge nur noch leere Fassaden, dahinter Schutt. Man konnte erkennen, dass es einmal eine sehr schöne alte Stadt, mittelalterlich, gewesen sein musste.

Am nächsten Tag hat uns ein Deutsch-Kroate erzählt, dass die Serbische Armee 91 drei Monate lang einen Dauerbeschuss der Stadt durchgeführt hat. Militärische Gründe hatte das nicht, es war willkürlich. Die Stadt ist nun wieder bewohnt, aber es liegt über allem eine Traurigkeit. Ausgelassen und fröhlich, laut, ist hier keiner. Alles scheint gedämpft. Gleichzeitig erschien es mir so, als seien wir nirgends so freundlich begrüßt worden, wie in Vukovar. Im 6-stöckigen Hotel, direkt an der Donau gelegen, waren wir fast die einzigen Gäste.


Am nächsten Tag ging es dann hinüber nach Jugoslawien - mit entsprechender  Beklemmung, wegen der NATO-Angriffe und dessen, was wir in Vukovar gesehen hatten. Bei jedem Soldat, dem man begegnet, denkt man, ob und wie er in die Kriege verwickelt war. In der Grenzstadt Basca Balanska haben wir dann diesen Dt.-Kroaten getroffen, der uns einiges erzählen konnte. Er hatte einen Freund dabei, der aus der Krajina, in der auch Vukovar liegt, stammt, und der mittlerweile in England Asyl gefunden hat. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen. Eine Stunde später kamen wir mit einem Serben ins Gespräch, der in Wien lebt. Sehr viele Jugoslawen haben schon einmal in Deutschland oder Österreich für einige Jahre gelebt und können Deutsch. Die Jungen sprechen eher Englisch. Bei einer Rast während der Weiterfahrt, wurden wir von einem Bauern zu einem Kaffee in sein Haus eingeladen. Es ist also überhaupt kein Problem mit Leuten in Kontakt zu treten. Während der Fahrt schon gar nicht, weil Martin ja mit einem - auch in D - Aufsehen erregenden Liegerad unterwegs ist. Er läßt gerne Interessenten eine Runde damit drehen - vorgestern auch einen Franziskaner-Mönch in voller Kutte.

Seit vorgestern wohnen wir jetzt also bei Borislav in Novi Sad, der uns die Einladung für Jugoslawien besorgt hatte. Er ist supernett. Morgen fahren wir dann nach Beograd, wo wir bei seinem Freund Jone ein paar Tage verbringen werden. Mit Jone und seiner Frau geht es dann am Montag weiter in die Karpaten. Ob sich dann noch einmal ein Internet-Cafe auftun wird ...? Vielleicht in Bucuresti. So viel für's erste.

Viele Grüße
, Thomas

 
Donnerstag,
9 Aug 2001,
13:07
Hallo,
vor einer Stunde sind wir in Rumänien eingelaufen. Da galt es sich von unseren neuen Freunden Jone und Jazna zu trennen, mit den wir jetzt fast eine Woche zusammen waren. Wir konnten bei ihnen in Beograd wohnen, Jone hat uns zwei Tage lang durch die Stadt geführt, uns tausend Dinge gezeigt und erklärt und Jazna hat uns üppig bekocht. Jone war Milosevic-Gegner und hat an den ganzen Demos gegen ihn teilgenommen. Lust, bombardiert zu werden, hatte er natürlich keine. Er hofft, dass die jetzige Regierung die nächsten Wahlen überstehen wird.

Zusammen sind wir jetzt entlang des Donaudurchbruchs durch die Karpaten geradelt. Eine tolle Landschaft. Jone kannte natürlich die perfekten wilden Campingplätze, bei denen naturgemäß lediglich die Körperpflege etwas zu kurz kam. Beograd ist keine schöne, aber eine sehr lebhafte Stadt. Sie hat in jedem Krieg ihre Zerstörungen erlebt und es waren bisher wohl 60 Kriege, habe ich irgendwo gelesen. Das Natobombardement hat einige Gebäude zerstört, aber die Angriffe scheinen wirklich sehr punktgenau erfolgt zu sein. Jone hat uns auch dazu interessante Stories erzählt. Mancher Jugoslawe wusste wohl vorher, welches Gebäude wann angegriffen werden würde.

Feindselig ist uns im übrigen, das muss ich hier einmal auch angesichts meiner eigenen, vorherigen Befürchtungen sagen, kein einziger Mensch gegenüber getreten. Das absolute Gegenteil war der Fall, wir sind andauernd eingeladen worden - von wildfremden Menschen. Manchmal ist einem diese Gastfreundschaft fast peinlich, wenn man weiß, wie wenig die Leute hier verdienen und wie arm sie oft sind. Toll in Beograd sind unendliche viele schwimmende Cafes und Restaurants entlang von Donau und Save, die in Beograd in die Donau mündet. Die Hitze ist schon recht heftig und wir trinken Unmengen Wasser. Zum Glück konnte ich einen Sonnenbrand bisher aber vermeiden. Bleibt die übliche, radfahrereigene Zebrastreifung der Haut. Am kühlsten ist es noch, wenn man fährt ...

So, nun warten die ersten richtigen Berge, aber in einer Stunde geht's erstmal in älteste Bad Rumäniens. Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Rückmeldungen und Geburtstagsglückwünsche!! Martin wartet draußen und deshalb gibt es heute wieder nur eine Sammelmail für alle.

Viele Grüße, Thomas

 
Montag, 13. August., 18:39 Uhr Hallo,
Viele Grüße aus den Karparten, genauer gesagt aus Horezu, einer Kleinstadt ca. 250 km nordwestlich von Bucuresti. Auch in dieser Kleinstadt in der Provinz lassen neunjährige die Maschinengewehre in einem Internetcafe rattern.

Man erlebt hier sehr unterschiedliches. Die Bettelei hat zugenommen und schon zu ein paar unschönen Szenen geführt. Die Armut ist teilweise hart. Man sieht oft Leute in sehr zerlumpter Kleidung. Irgendwelche Angriffe, Klauereinen oder ähnliches haben wir allerdings noch überhaupt nicht erlebt, dafür wieder spontane und sehr herzliche Gastfreundschaft. Nicht ganz erwünschte Nebenfolge war dann freilich, dass ich schon am frühen Morgen Schnaps zu mir nehmen durfte. Er hat gut geschmeckt. Ich mag ja eh lieber Schnaps als Bier und dieser Tuica, ein Pflaumenschnaps, ist köstlich.

Heute war ich in einer Stadtbibliothek, die ihre letzte Neuerwerbung vermutlich vor 10 oder 20 Jahren gesehen haben dürfte. Der Kinderbuchbestand war völlig zerschlissen, die Regale standen so eng beieinander, dass man kaum hindurch kam, 40 cm. Es gibt wohl einige Leute, die sich wünschen, dass Chauchescu, das ist jetzt sicherlich falsch geschrieben, wieder auferstehen möge. Die Zigeuner sind auch nicht wohlgelitten.

Landschaftlich haben wir schon großartiges genießen dürfen. Wilde, einsame, unverbaute Gegenden. Aber die Strecke entlang der Karparten ist heftig. Ein einziges Auf und Ab, kurze steile Anstiege und gleich wieder runter auf das Ausgangsniveau. Das schlaucht mehr als der Col de l"Iseron. So schaffen wir hier nicht mehr als 40 km am Tag und sind froh, wenn wir die hinter uns haben. Auf den Seitenstraße kann man es auch bergab nicht laufen lassen, weniger wegen Schlaglöchern, die würde man noch sehen, als wegen der sehr welligen Straße. Man meint ständig, das Fahrrad würde in Kürze in Einzelteilen davon fliegen. Die etwas größeren Straßen, auf denen der Verkehr auch noch erträglich ist, sind sehr gut zu befahren. Auf den Seitenstraßen ist kaum Verkehr.

Kulinarisch hatte ich leider etwas mehr erwartet. Man bekommt zwar ab und an eine Speisekarte vorgelegt, aber dann stellt sich heraus, dass es eigentlich nur ein oder zwei Gerichte gibt. So haben wir jetzt schon mehrfach Pommes mit gegrilltem Schweinefleisch zu uns genommen. Das Frühstück ist herzhaft, aber gut. Dieses Problem wird natürlich auch durch unsere mangelnde Sprachkenntnis gefördert. Nur selten trifft man Leute, die einigermaßen des Englischen oder Französischen mächtig sind. Französisch sprechen sie noch schlechter als ich und das will bekanntermaßen schon was heißen ...

Die Kinder sind großartig. Ich werde einige Fotos nach Rumänien senden müssen. Ihr Lachen kommt tiefer als bei uns und sie haben oft nichts. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was wir hier bei all dieser Widersprüchlichkeit noch erleben werden.

Viele Grüße, Thomas

 
Montag, 20. August, 23:16 Hallo,
viele Grüße aus Calarasi an der bulgarischen Grenze, wohin wir gestern nach unserer Königsetappe bei hartem Gegenwind gelangt sind.

Wir sind jetzt also wieder an der Donau. In diesem Internetcafe haben sie eine Vorliebe für besonders lauten, ja kontinuierlich lauter werdenden türkisch angehauchten rumänischen Hiphop. Das nenne ich Weltmusik. Gefällt mir durchaus sehr. Und jetzt singt auch noch das halbe Cafe mit, klatscht in die Hände und meine zehn Fingerchen bewegen sich auch immer rh, wo ist das Uepsilon und was ist das für eine Sprache, die kein Fragezeichen kennt, ah, da isses ?, also meine Finger bewegen sich auch immer rhythmischer. Ich werde mir gleich mal den Titel sagen lassen müssen. Tu esti iubitul meu pentru o viata von Adrian Copilul Minune hackte mir der freundliche Internetbetreuer in die Kiste. Und jetzt lassen sie das Lied gleich nochmal laufen. Das wird ein guter Abend eines eh schon gelungenen Tages.

Aber zurück zu den Mühen der Berge. Die Karparten waren jedenfalls weiterhin recht anstrengend und so haben wir es bei den 30 bis 40 km am Tag belassen. Mehr war nicht drin und Zeit haben wir ausreichend. Die rumänischen Städte in der Walachei, so heißt die Gegend zwischen den Karparten und der Donau, in der auch Bucuresti liegt, sind nicht gerade Kleinode. Realsozialistisch betonierte Innenstädte mit orthodoxen Kirchen als Einsprengsel in der Steinwüste. Die Hotels haben durch die Bank schon wesentlich bessere Zeiten gesehen. Große Kästen und alles reichlich marode. Das Wasser wechselt sekündlich den Druck, naja, es gibt schlimmeres. Viele Leute, RumänInnen, haben von ihrem Land selbst keine gute Meinung. Eine Frau, die uns durch eine berühmte Kirche geführt hat, hat sich beklagt, wie schlecht sie restauriert sei. überall würde man gute Arbeit leisten, nur hier in Rumänien seien Idioten am Werk. Viele sagen, in Rumänien sei alles schlecht. Deutschland ist das leuchtende Vorbild. Heute hat uns ein LKW-Fahrer unaufgefordert mehrfach bewundernd von seinem LKW vorgeschwärmt, der in D umgebaut wurde. Super! Ein Kanadier rumänischer Abstammung, der hier zwei Baufirmen betreibt, hat einen Eindruck bestätigt, den wir auch schon hatten. Sie fangen hier viel an, auch nicht schlecht, aber lassen die Sachen dann unbefriedigend in einem für unsere Maßstäbe halbfertigen Zustand. Hm, bei mir daheim ... Schön mit Platten ausgelegte Fussböden, aber unverfugt - im Nichts endende Heizungsrohre - unvollendete und auch nicht mehr vollendbare Rohbauten in Hülle und Fülle. Siebenbürgen soll viel schöner sein, hat mir vorgestern erst - es ist unglauchlich, aber wirklich wahr - ein Saarbrücker Geographiestudent erzählt, der mir in Bucuresti über den Weg gelaufen ist.

Der Ceaucescu-Palast in Bucuresti stellt alles in den Schatten, was mir bis jetzt an Gebäuden vorgekommen ist. Für seinen Bau wurden Mitte der achtziger Jahre 16 Stadtdistrikte und über 20 Kirchen abgerissen. Er ist nach dem Pentagon das zweitgrößte Gebäude der Welt. Er verfügt über 3500 Räume, darunter 16 riesige Hallen, jede mindestens von der Größe des Saarbrücker Schlosssaales. Im Reiseführer steht, dass der wirtschaftliche Niedergang Rumäniens durchaus etwas mit der Gigantomanie dieses Gebäudes zu tun hätte. Ich halte diese Einschätzung für nicht aus der Luft gegriffen. 700 Architekten haben an ihm mitgebaut.

Beim Ablichten eines stillgelegten, riesigen Industriekomplexes - ganz im Dienste der Geographie - bin ich gestern noch mit einem übereifrigen Werkschützer, an dem Stalins Tod anscheinend vorüber gegangen war, in zarten Anfängen handgreiflich aneinander geraten, weil er meinte, ich solle den Filmu herausrücken. Er wollte mir an die Lenkertasche und da musste ich ihm doch ein bißchen auf die frechforschen Finger klopfen. Als sich dann noch zwei andere seiner gummibeknüppelten Genossen um mich gruppierten, wurde mir doch etwas mulmig zu Mute. Alle drei sprachen sie nur Rumänisch. Die zwei Neuen waren aber bei besserer Laune und haben seine grimmige Forderung nur mit Lächeln kommentiert. So ging es mit Händen und Füßen vorwärts. Das Wort Ruine und Militar haben sie dann aber doch verstanden und so wohl die Lächerlichkeit seines Begehrens eingesehen. Dann hat er mich plötzlich weiterfahren lassen. Unser Herbergsvater in Buc. hatte uns schon vor Pseudepolizisten ge! warnt.

Heute haben wir einen kleinen Ausflug mit der Fähre über die Donau hinweg nach Bulgarien, genauer nach Silistra, gemacht. Dort habe ich endlich die erste Moschee, die aber nicht mehr benutzt wurde, gesehen. Es war zwar nur ein kurzer Augenschein, aber den Bulgaren scheint es doch wesentlich besser zu gehen als den Rumänen. Alle besser gekleidet, so gut wie keine bettelnden Kinder, keine krasse Verelendung wie in Rumänien, die Häuser in einem besseren Zustand. Das sind sicherlich alles nur äußerlichkeiten, aber eine gewisse Aussagekraft haben sie sicherlich doch. So. In drei oder vier Tagen sind wir im Delta, worauf ich mich sehr freue. Ich will unbedingt die Pelikane sehen und hoffe nur, dass ich mir die wesentlich kleineren Flugobjekte, die mir bislang schon so manche Nacht zum Tag gemacht haben, mittels Dschungel-Deo vom Leibe halten kann.
Viele Grüße, Thomas
  Hallo, morgen geht es zurück nach D. Wir hatten jetzt noch eine sehr versöhnliche Woche im Donaudelta, das wir nach drei recht anstrengenden Etappen erreicht haben. Auf dem Weg von der bulgarischen Grenze nach Norden hatten wir mit teilweise hartem Gegenwind zu kämpfen und staubig war es, uff. Ab Tulcea ging dann mit dem Rad nichts mehr und wir sind auf das Schiff übergewechselt, das uns mitten hinein in das Donaudelta gebracht hat. In Crisan, einem 800-Seelen-Dorf sind wir in einer Privatunterkunft gelandet. Dieses Dorf liegt am sogenannten Sulina-Arm der Donau, das ist der mittlere von drei Mündungsarmen. Es verfügt über keine Straßen, sondern nur über einen einzigen holprigen Weg zwischen den Häusern und der Donau. Also keinerlei Autoverkehr. Alles geht zu Fuss oder hoppelt mit dem Fahrrad rum. Das Dorf ist immerhin mehrere Kilometer lang. Unsere Wirtin hat uns bekocht, hauptsächlich gab es Fisch in allen Variationen, was sich im Delta ja auch anbietet, und, hach, es war unbeschreiblich! Etwas vergleichbar Gutes habe ich noch selten gegessen. Und so ging das jeden Mittag und Abend. Das ganze Dreigängemenü für jeweils neun DM.

Tagsüber haben wir geführte Bootstouren über die Kanäle und Seen des Deltas, das eine Fläche von 5000 qkm einnimmt, unternommen. Das war teilweise auch sehr, sehr schön. Im Delta, das sowohl Biosphären-Reservat, Ramsar-Areal als auch Unesco-Weltkulturerbe ist, gibt es ja Pelikane und wir haben einige zu Gesicht bekommen. Dazu jede Menge anderer Vögel und auch Wasserschlangen. Abends ging es in die Dorfdisco zum Abtanzen und die RumänInnen machen schon was los ... Das Städtchen Sulina ganz am Ende der Donau haben wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Das Kilometer-Null-Schild musste ja doch abgelichtet werden! Die letzten zehn Kilometer besteht die Donau eigentlich nur noch aus einer Fahrrinne mitten im Schwarzen Meer, die auf beiden Seiten von einer Gerölllinie zum Meer hin begrenzt wird. Kurz bevor auch diese endet, steht noch einmal ein Turm der Grenzpolizei. Dort liegt aber auch ein Sandstrand mit Sand fein wie Mehl und so konnten wir uns vorgestern endlich in die Fluten des Schwarzen Meeres stürzen. Nie mehr Rad fahren!!! Auch in Sulina wurden wir in der dortigen Privatunterkunft von einer begnadeten Köchin gleich mehrfach beglückt. Es war jedenfalls ein gelungener Abschluss unserer Tour.

Von, zum Teil kuriosen, Ärgerlichkeiten gibt es natürlich auch zu berichten. Witzig war ja noch in einer Bar in Sulina die Weinflasche, die sie uns mit in die Flasche gedrücktem Korken serviert haben. Weniger witzig fand ich gestern unseren Versuch, unsere Räder von Tulcea mit der Bahn nach Bucuresti zu transportieren. Einen leeren Gepäckwagen gab es durchaus, das war nicht das Problem, auch wenn man hier zu Lande die Räder immer ungefähr einen Meter zwanzig hoch wuchten muss, aber das musste man in Saarlouis bis vor kurzem auch noch ... Nein, es ging um die Tickets für die Räder. Eine Stunde vor Abfahrt wollte ich sie kaufen. Am ersten Schalter des sehr übersichtlichen und ziemlich leeren Bahnhofs wurde ich an einen zweiten verwiesen und von dort an einen dritten, wo man mir - mein Wunsch war eindeutigst! - sagte, ich solle mich an den Schaffner wenden. Nu problema. Zehn Minuten vor Abfahrt wollen wir unsere Räder dann in den Gepäckwagen hiefen und da fragt mich der Schaffner, wo die Billets seien. Auf Nachfrage antwortet er, er verkaufe keine, es gäbe sie im Bahnhof. Da war ich kurz davor, auszurasten. Nun, er hat uns trotzdem mitgenommen. Später kam er zu uns ins Abteil, hat mich in ein leeres Abteil und um Bezahlung gebeten. Das ist ja in Ordnung, nur die 500.000 Lei, die er verlangte, sind es nicht. Das war nämlich eine Strafgebühr. Ich habe die Faust geballt, aber nicht in der Tasche und habe ihm gesagt, dass ich den normalen Preis zahlen würde und keinen Lei mehr, weil das alles nicht meine Schuld sei. Den wusste er nicht anzugeben aber zum Glück hatte ich noch den Fahrschein von unserer anderen Bahnfahrt von Curtea de Arges nach Bucuresti dabei, und so haben wir uns auf einen Preis geeinigt, wobei er mir sogar noch Geld zurückgegeben hat. Ich nehme ansonsten an, dass er das Geld in die eigene Tasche gesteckt hat. Auf die Weise funktioniert hier vieles und solcherlei Tips bekommt man sogar halboffiziel am Schalter: Man solle mit dem Schaffner reden, das ginge schon irgendwie. Heute haben wir sicherheitshalber mal den Zug besichtigt, in dem wir morgen gen Wien reisen wollen, und da konnten wir innerhalb einer Viertelstunde dreimal beobachten, wie die Liegewagenschaffnerin etwas zugesteckt bekam. Wir werden uns also auch noch ein paar Lei aufheben ... Bine, das soll's mal gewesen sein.
La revedere in Germania, Thomas
     
   
Und wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte sich doch einmal unsere weiteren Donau-Infos ansehen!
   
   
 
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